Methodik
Auf dieser Seite steht jede Rechenvorschrift, die auf Wahlwerk eine Zahl erzeugt. Wer sie nachrechnen will, findet den Quellcode dazu im Repository. Nichts davon ist geheim, nichts davon ist ein Modell mit unveroeffentlichten Parametern.
Was hier nicht passiert
- Wahlwerk erhebt keine eigenen Umfragen. Alle Werte stammen von Meinungsforschungsinstituten und werden unveraendert wiedergegeben.
- Es findet keine Korrektur von Hauseffekten statt. Wenn ein Institut eine Partei systematisch hoeher ausweist als andere, wird das hier sichtbar gemacht, aber nicht wegkorrigiert.
- Es werden keine Werte auf 100 Prozent hochgerechnet. Weicht die Summe ab, wird die Abweichung ausgewiesen.
- Es wird keine Wahlprognose erstellt. Eine Sonntagsfrage misst die Wahlabsicht im Befragungszeitraum, nicht das Ergebnis eines kuenftigen Wahltags.
- Es findet keine politische Bewertung statt, weder von Parteien noch von Koalitionsoptionen noch von Instituten.
Der gewichtete Trend
Der Trend eines Parlaments wird in vier Schritten gebildet.
- Stichtag. Stichtag ist der juengste letzte Befragungstag unter allen Umfragen des Parlaments.
- Zeitfenster. Beruecksichtigt werden nur Umfragen, deren letzter Befragungstag hoechstens 45 Tage vor dem Stichtag liegt.
- Eine Umfrage je Institut. Aus dem Fenster geht je Institut nur die juengste Umfrage ein. Damit kann kein Institut den Trend allein durch eine hohe Veroeffentlichungsfrequenz dominieren.
- Gewichtung. Jede verbleibende Umfrage i erhaelt das Gewicht
wi = 2(-alteri / 14) · √(ni / 1000)
Dabei istalterider Abstand des letzten Befragungstags zum Stichtag in Tagen undnidie Fallzahl.
Der erste Faktor ist ein exponentieller Aktualitaetsabschlag mit einer Halbwertszeit von 14 Tagen: eine 14 Tage alte Umfrage zaehlt halb so viel wie eine taggleiche. Der zweite Faktor bildet ab, dass der Standardfehler einer Zufallsstichprobe mit dem Kehrwert der Wurzel aus der Fallzahl faellt. Eine Umfrage mit 4000 Befragten zaehlt damit doppelt so viel wie eine mit 1000.
Der Trendwert einer Partei ist der gewichtete Mittelwert ihrer Werte. Umfragen, die eine Partei nicht einzeln ausweisen, gehen fuer diese Partei weder in den Zaehler noch in den Nenner ein. Ein fehlender Wert wird also nicht als null Prozent gewertet, weil "nicht ausgewiesen" und "null Prozent" verschiedene Aussagen sind.
Liegt keine Fallzahl vor, wird ersatzweise 1000 angesetzt und die Umfrage in der Aufschluesselung als angenommen markiert. Liegen weniger als 3 Umfragen im Fenster, wird gar kein Trend ausgegeben.
Auf jeder Parlamentsseite ist aufklappbar dokumentiert, welche Umfragen mit welchem Gewicht eingehen. Damit ist der Trend von Hand nachrechenbar.
Streuung
Zusaetzlich zum Mittelwert wird je Partei der niedrigste und der hoechste Wert unter den verwendeten Umfragen ausgewiesen, samt Institut. Ein Mittelwert allein verdeckt, wie weit die Institute auseinanderliegen. Eine Spanne von mehreren Prozentpunkten bedeutet, dass der Mittelwert eine schwache Aussage ist.
Sitzverteilung
Eine Sitzverteilung wird nur dann berechnet, wenn Sitzzahl, Zuteilungsverfahren und Sperrklausel des Parlaments in der Konfiguration als verifiziert markiert sind. Ist das nicht der Fall, bleibt der Abschnitt leer. Eine ungepruefte Sitzzahl waere eine erfundene Zahl, und erfundene Zahlen gibt es hier nicht.
Implementiert sind drei Verfahren:
- Sainte-Lague/Schepers, umgesetzt als Hoechstzahlverfahren mit den Divisoren 1, 3, 5, 7 und so fort.
- Hare/Niemeyer, Quotenverfahren mit groesstem Rest.
- dHondt, Hoechstzahlverfahren mit den Divisoren 1, 2, 3 und so fort.
Grenzen dieser Rechnung: Eine Sonntagsfrage erhebt die Zweitstimmenabsicht. Direktmandate, Grundmandatsklauseln, regionale Sonderregeln, Sperrklauselbefreiungen und Systeme, in denen Erst- und Zweitstimme zusammenzaehlen, lassen sich daraus grundsaetzlich nicht ableiten. Die Sitzverteilung ist deshalb eine Modellrechnung unter vereinfachenden Annahmen und keine Vorhersage der Parlamentszusammensetzung.
Koalitionsrechnung
Aus der Modellsitzverteilung werden alle Parteienkombinationen mit bis zu vier Partnern ermittelt, die mehr als die Haelfte der Sitze erreichen. Ausgegeben werden nur minimale Mehrheiten, also solche, bei denen der Verlust eines beliebigen Partners die Mehrheit kostet.
Diese Liste ist rein arithmetisch. Sie enthaelt bewusst auch Kombinationen, die politisch ausgeschlossen sind. Der Grund: welche Kombination als ausgeschlossen gilt, ist eine redaktionelle Wertung, die sich mit Parteitagsbeschluessen aendert. Wahlwerk trifft diese Wertung nicht.
Rundung und Darstellung
Alle Prozentwerte werden mit einer Nachkommastelle angezeigt, intern aber ungerundet weitergerechnet. Gewichte werden mit drei Nachkommastellen ausgewiesen. Bei exakten Gleichstaenden in der Sitzzuteilung entscheidet die alphabetische Reihenfolge des Parteikuerzels. Das ist willkuerlich, aber deterministisch, damit zwei Builds derselben Daten dasselbe Ergebnis liefern.
Reproduzierbarkeit
Der Build ist deterministisch: gleiche Eingangsdaten und gleiche Konfiguration erzeugen byteidentische Seiten. Die Rohdatei der Quelle wird bei jedem Abruf mitgespeichert, sodass sich jede angezeigte Zahl bis zum unveraenderten Quelldatensatz zurueckverfolgen laesst.
Fehler melden
Wenn eine Zahl falsch ist, ist das ein Fehler und kein Meinungsunterschied. Meldungen bitte als Issue im Repository, moeglichst mit der Datensatz-ID von der jeweiligen Belegseite.